Rund um den RollbergDes Schockwellenreiters Neuköllner Chroniken |
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Rettet ElektraWer einen genußvollen und fröhlichen Theaterabend erleben möchte, der besuche das mit 39 Plätzen sicher kleinste Theater Neuköllns und schaue zu, wie dort Elektra gerettet wird. Wie konnten wir an diesem kleinen Theater, das nur wenige Schritte von unserer Behausung entfernt liegt, eigentlich immer nur vorbei und nie hineingehen? Warum mußte erst die 400. Aufführung der Dramateure in der Mainzer Straße 3 uns überzeugen, das wir doch mal das Theaterchen betreten müßten? Wie dem auch sei, Gabi , Petra und ich waren am Freitag in Rettet Elektra und wir haben uns königlich amüsiert. Worum ging es bei dem Stück? Nun, es ging um einen Inspizienten, der überzeugt ist, daß Schauspieler das Unwichtigste an einem Theaterstück seien, daß nur die Arbeit der »Hintermannschaft«, nämlich Garderobe, Maske, Beleuchtung, Souffleuse und natürlich der Inspizient für den Erfolg eines Stückes und den reibungslosen Ablauf verantwortlich seien.
Als durch einen verdorbenen Hackbraten in der Kantine allen Schauspielern übel wird und sie ein ärztliches Auftrittsverbot erhalten, sieht er die Chance, dies zu beweisen. Alle müssen ran, nämlich Garderobe und Maske, Beleuchtung und Souffleuse, eine zufällig anwesende Hospitantin und selbst die Köchin — alle müssen auf die Bühne, um das Stück, um Elektra zu retten. Dabei muß jeder bis zu drei Rollen übernehmen, aber trotzdem noch seine gewohnten Aufgaben als Garderobe und Maske, als Souffleuse und Beleuchter erledigen.
Daraus kann natürlich nur eine turbulente Komödie entstehen, aber was für eine und wie sie gespielt wurde. Allen Schauspielern merkte man die Freude an, die sie an diesem Stück hatten und schon nach wenigen Minuten sprang der Funke ins Publikum über. Die Regisseurin Birgit Paul hatte dabei die dankbarste Rolle als versoffene Köchin Frau Mensenscheid, der Autor Peter Schottke spielte knochentrocken den Inspizienten Wilfried Sommer. Michael Surma gab tuntig den Garderobier und Maskenbildner HaGü, den kleinen Menschen mit dem großen Lampenfieber und Bernd Charnow spielte mit Chuzpe den Beleuchter Uwe, der schon immer auf die Bühne wollte und meinte, daß Hans Albers doch prima in eine griechische Tragödie passen würde.
Kurzum, es war ein lustiger und chaotischer Abend, der sich da auf der winzigen Bühne des Theaterchens abspielte, bis Elektra endlich gerettet wurde. Der Abend war so kurzweilig, daß man die Enge der Sitzreihen und die fehlende Klima-Anlage gar nicht bemerkte, so sehr fesselten einen die Akteure auf der Bühne. Dazu trug sicher auch das Buch von Peter Schottke bei, der eine Komödie geschrieben hatte, die seine Protagonisten ernst nahm und nicht von Häme und Schadenfreude lebte, wie viele andere »Komödien« sonst.
Alle 8 Schauspieler bekamen ihren verdienten Applaus und ihr habt noch bis zum 1. Mai Gelegenheit, in die Mainzer Straße zu pilgern und der Rettung Elektras beizuwohnen. Hier geht es zur Photostrecke. Artikel vom 25. April 2004, alle Photos Gabriele Kantel. Ein Klick auf die Thumbs öffnet Vergrößerungen in einem neuen Fenster. Werbung |
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