Rund um den Rollberg

Des Schockwellenreiters Neuköllner Chroniken

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Blond in Neukölln

Gestern waren Gabi und ich im Theater (Achtung, Sch#$% Webauftritt, die Site vergrößert ungefragt das Browserfenster auf Bildschirmgröße — sieht auf einem 21-Zoll-Monitor echt kacke aus, natürlich Frame-Alarm und dann schießt der Server auch noch so ein beliebtes Pop-Up-Fensterchen hoch. Und das alles für die harmloseste aller harmlosen Kabarettseiten. Verbrochen wurde das Machwerk laut Impressum (frech aus dem Frame heraus verlinkt) im Rahmen der Ausbildung zum Designer Neue Medien an der mediadesign akademie Berlin in Zusammenarbeit mit der Berliner Kabarett Anstalt e.V. Naja, Designer Neue Medien, was soll da schon anderes herauskommen... (Natürlich ist — wie immer — Christoph C. aus Dortmund von dieser pauschalen Designerbeschimpfung ausdrücklich ausgenommen.))

Edith Schröder Superstar Promo Photo

Also, wo war ich stehengeblieben? Ach ja, Gabi und ich waren also gestern im BKA. (Wir hatten die Karten geschenkt bekommen und die Schenkerin bot sich auch noch als Hundesitterin an. (Danke, Petra!) Da mußten wir zuschlagen!) Gegeben wurde Edith Schröder Superstar von Ades Zabel und Biggy van Blond. Plot der (Nicht-) Handlung: Edith Schröder (Ades Zabel), die alkoholinteressierte Hausfrau und Witwe (ihr Mann wurde von einem Bierlaster überfahren) aus dem Neuköllner Nogatkiez hat Schulden bei der Kneipenwirtin und Vorsitzenden des Verbandes zur Abschaffung des Zwangspfandes — Sektion Neukölln Nord — Jutta Hartmann (Bob Schneider). Da die Sozialhilfe nicht reicht, um den Deckel mit den vielen Futschis abzuzahlen, kommen die beiden Frauen auf die Idee, mit Hilfe der Legginsboutiquebesitzerin und Leopardenfellimitatträgerin Brigitte Wuttke (Biggy van Blond), Neuköllns Antwort auf Jennifer Lopez, Edith Schröder bei Deutschland sucht den Superstar anzumelden. Und gegen den Willen von Pieter Pohlen (Stefan Kuschner) schafft es Edith, die immerhin sechs lange Jahre Bauchtanz in der Neuköllner Volkshochschule hinter sich gebracht und diesen Kurs als Beste — weil als einzig Übriggebliebene — absolviert hat, strippend, singend und tanzend (und über das Bett der lesbischen Superstarmoderatorin Petra Stein) in die Endausscheidung zu kommen und Deutschlands neuer Superstar zu werden. Doch dann fallen die Quoten...

Wie man an dieser kurzen Zusammenfassung der Handlung sieht, wurde nichts ausgelassen, was zu einem echten Musical gehört (einschließlich einer Kampfszene mit Biggy als schwerterschwingenden Uma-Thurman-Verschnitt — Kill Bill läßt grüßen). Und die Musik erst, ob Blond in Neukölln oder die Futschibabes mit Alles, nur nicht braun, es wurde alles gegeben, was jahrelanges Suhlen im Schlagersumpf und Disco-Moorast hergaben. Und Ades Zabel ist eine echte Rampensau. Nie weiß man, was einstudiert ist oder was gerade frisch improvisiert über die Bühne kommt. Und als Neuköllner muß ich sagen: Der Kiez ist gut getroffen. Ich habe mich im fernen Kreuzberg wie zu Hause gefühlt...

Also noch einmal in kürzeren Sätzen: Gabi und ich sind aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen. Oder noch kürzer: Wir haben uns amüsiert wie Bolle. Oder ganz kurz: Hingehen!

Die Vorstellung gestern war die letzte Vorstellung in den Räumen des BKA. Aber es gibt — wegen des großen Erfolgs — eine Verlängerung: Vom 3. - 7. Februar und vom 11. - 14. Februar wird Edith Schröder Superstar im BKA-Luftschloß am Schloßplatz in Berlin-Mitte gegeben. Zum letzten Mal: Hingehen!

Und natürlich ist nach diesem Stück eines klar: Der nächste Superstar kommt wieder aus Neukölln. Und sie trägt Leopardenfellimitat...


Artikel von 12. Januar 2004.




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