Rund um den RollbergDes Schockwellenreiters Neuköllner Chroniken |
|
|||||||||||
|
Navigation
Aus dem Kiez
Reuterkiez Rollberg Schillerpromenade Hermannstraße Karl-Marx-Straße Rixdorf Sonnenallee Wissmannstraße Britz Buckow Rudow Szene und Kultur Atelierbesuche 48 Stunden Nacht und Nebel Theater und Kabarett (Szene-) Kneipen Karneval der Kulturen Parks und Gärten Hasenheide Körnerpark Carl-Weder-Park Schulenburgpark Gartenarbeitsschule Rixdorfer Ruhe Ein Friedhof stirbt St. Thomas-Friedhof Emmauskirchhof St. Jacobi-Friedhof Sonstiges Arbeit und Soziales Sport Müllbeseitigung Flughafen Tempelhof Linksammlung Sonnenallee Sonnenallee Ernst-Abbe-Schule Schulenburgpark |
Werbung
|
|||||||||||
Der »Märchenbrunnen« im SchulenburgparkEin Spaziergang zum »Tag des offenen Denkmals« am 11. September 2004. Der »von-der-Schulenburg-Park« am südlichen Teil der Sonnenallee wurde bereits 1913 als Grünfläche ausgewiesen. Er verdankt seine Existenz dem sumpfigen und tieferliegenden Gelände, das für eine Bebauung ungeignet war und daher vermutlich schon nach dem ersten Weltkrieg als zentrale Grünanlage genutzt wurde. Er ist nach Rudolf Wilhelm Graf von der Schulenburg (Oberpräsident der Provinz Brandenburg von 1914 bis 1917) benannt.
Ab 1923 erfolgte die Gestaltung nach Plänen des Gartenbaudirektors Ottokar Wagler, der der Anlage sein jetziges formales Gesicht und die beeindruckend klare Struktur gab. Im Zentrum befindet sich ein langes, rechteckiges Wasserbecken, »Spiegelbecken« genannt, mit wunderschönen Platanenalleen an den beiden Längsseiten und einem wertvollen »Jugendstil«-Brunnen am südlichen Ende. Dieser Brunnen hatte ein lange und wechselvolle Geschichte.
Er wurde schon 1915 von dem in Neukölln geborenen Bildhauer Ernst Moritz Geyger im Auftrag Neuköllns entworfen und als Gipsmodell fertiggestellt. Mit der Arbeit an der Muschelkalk-Fassung wurde vermutlich ab 1918 begonnen. Die Stadt Neukölln wollte damit ihren berühmten Künstler ehren und der Brunnen sollte auf dem Rathausplatz aufgestellt werden. Doch als Ende November 1918 Spartakisten im Rathaus Neukölln regierten und gar eine »Republik Neukölln« proklamierten, war an eine Aufstellung des Brunnens des doch eher konservativen Künstlers nicht mehr zu denken. Daher wurden das Modell und die schon ausgeführten Muschelkalkteile in einem Straßenreinigungsdepot zwischengelagert. Erst 15 Jahre nach seiner Fertigstellung, 1934, entschloß sich die Stadtverwaltung, Geygers Brunnen im Schulenburgpark aufzustellen. Der Name, den Geyger dem Brunnen gab, »Symbol des Waldesdomes«, paßte in die Ideologie der Nazis. Daß bei der Einweihungsfeier der Schöpfer des Brunnens, Ernst Moritz Geyger, fehlte, überspielten die zahlreich anwesenden Ortschargen der NSDAP. Außerdem ließen sie zahlreiche Schulkinder in Märchenkostümen auftreten und mißbrauchten sie so für ihre Propaganda. Wegen dieser Märchenfeier bekam der Brunnen im Volksmund den Namen »Märchenbrunnen«.
Während des Krieges sind die Bronzefiguren, die Putten in den Säulenschäften sowie der Hirsch, das Reh und das Kitz, eingeschmolzen worden. Nach dem Krieg erfolgte Anfang der 50er Jahre eine Umgestaltung durch den Gartenbaudirektor Ernst (oder Anton?) Lohrer. In den 60er Jahren verwahrloste der Park und der Brunnen wurde durch Vandalismus beschädigt. Erst 1970 konnte der Brunnen wieder restauriert werden. Die ursprüngliche Gestaltung des Wasserbildes ist bei der Wiederherstellung nicht berücksichtigt worden. Die Putten in den Säulen wurden weggelassen und die Bronzefiguren, Hirsch, Reh und Kitz, durch Kalksteinplastiken von Katharina Szelinsky-Singer, die auch das Denkmal für die Trümmerfrauen in der Hasenheide schuf, ersetzt. Hierbei griff sie auf die Tradition des Namens Märchenbrunnen zurück und nannte die Plastiken »Brüderchen und Schwesterchen« und »Aschenputtel«. Doch schon 1979 wurde die gesamte Anlage wegen fortschreitenden Vandalismus wieder stillgelegt. Erst in den Jahren 2000 und 2001 wurde die Brunnenanlage im Rahmen des »Brunnen-Sanierungsprogrammes-2000« umfangreich saniert. Die Gesamtkosten hierfür betrugen 1,47 Mio. DM. In dieser Summe wurden neben der bautechnischen und künstlerischen Wiederherstellung auch die Instandsetzung aller wassertechnischen Anlagen, mit der gesamten Brunnen- und Umlauftechnik, einschließlich der notwendigen Sanierungsmaßnahmen für das Spiegelbecken, sowie die Neugestaltung der fehlenden Bronzeelemente berücksichtigt. Es wurde eine gemäßigt-historische Variante bei der Sanierung gewählt. Die Plastiken von Frau Szelinsky-Singer blieben und darüberhinaus wurde die Brunnenplastik mit wechselndem Licht von innen beleuchtet. Die Bronzeputten wurden von der Künstlerin Anna Bogouchevskaja neu gestaltet. Mit der Planung der Sanierung wurde das Architekturbüro Abelmann Vielain Pock (Flash-Alarm!) beauftragt. Seit September 2001 erstrahlen Park und Brunnen wieder im alten Glanz und die alten Platanen spiegeln sich im Wasserbecken. Alle Photos Gabriele Kantel. Ein Klick auf die Bildchen öffnet Vergrößerungen in einem neuen Fenster. Werbung |
||||||||||||