Rund um den RollbergDes Schockwellenreiters Neuköllner Chroniken |
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Wenn ein Friedhof stirbt
Am Freitag war Gabi auf der Suche nach dem Frühling, doch gefunden hat sie menschliche Knochen. Direkt in der Einflugschneise des Flughafens Tempelhof liegt der St. Thomas Friedhof und der Kirchhof Jerusalem und Neue Kirche V (Stadtplan). Beerdigungen haben hier schon lange nicht mehr stattgefunden, der nahezu gräberfreie hintere Bereich direkt am Flughafen wird von Hundebesitzern als Auslauffläche genutzt. All das wirkt so pittoresk, daß hier im Herbst letzten Jahres eine Kunstaktion stattfand.
Außerdem befand sich dort während des letzten Krieges ein Zwangsarbeiterlager. 27 evangelische und katholische Kirchengemeinden hatten sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, denn da »die deutschen Arbeiter zur Wehrmacht eingezogen sind, wird das Arbeitsamt als Ersatz nur ausländische Arbeitskräfte zuweisen«, die die »notwendigsten Bestattungsarbeiten auf den Friedhöfen erledigen«. Was mit den Zwangsarbeitern geschah und wieviele überlebt hatten, ist bisher noch nicht bekannt. Heute schweigen sich die Kirchen lieber darüber aus und an der Stelle, wo früher die Baracken standen, liegt nun die Müllkippe der Friedhöfe. Die zuständigen Kirchengemeinden hätten die Friedhöfe schon lange gerne als Baugründstücke verkauft, doch der Flächennutzungsplan weist die Areale als Grünanlagen aus.
Doch seit einer Woche werden die Friedhöfe plattgemacht. Ob dort tatsächlich eine Grünanlage entsteht, konnten wir nicht recherchieren. Doch die Kriegsgräber ziehen um und die anderen Gräber werden eingeebnet. Dabei liegen menschliche Gebeine einfach so auf dem frei zugänglichen Gelände zwischen den streunenden Hunden herum. Früher war man pietätvoller und hatte wenigstens Beinhäuser für die Überreste.
Den Frühling hat Gabi dann doch noch gefunden... (Photos und Links: Gabi, Bericht vom 2. Februar 2002) Werbung |
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