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Die HasenheideDie Hasenheide ist Neuköllns größte, älteste und bekannteste Grünanlage.
»Ganz Sibirien ist eine Fortsetzung unserer Hasenheide.«
(Alexander von Humboldt) Der Volkspark Hasenheide erfüllt für die Bezirke Kreuzberg und Neukölln — die nicht gerade üppig mit Grünflächen ausgestattet sind — eine wichige Erholungs- und Freizeitfunktion. Zentral gelegen und etwa 50 Hektar groß bevölkern an schönen Tage Freizeitsportler und Anhänger des Grillens die Rasenflächen.
Der Begriff Hasenheide tauchte erstmals 1678 auf, als der Kurfürst ein damals noch 105 Hektar großes, 1650 erworbenes Areal als Hasengehege einzäunen ließ, damit er immer frischen Braten auf den Tisch bekam. Sehr zum Ärger der Tempelhofer Bauern übrigens, die dort vorher ihr Vieh weiden ließen. Dieser Konflikt führte zu ständigen Rechtsstreitigkeiten, die erst 1851 endgültig geklärt wurden. Doch schon am 17. Dezember 1808 ging die Hasenheide vom königlichen Privatbeitz in Staatseigentum über. Die Hasenheide unterstand damit dem Dömanen- und Forstfiskus. Von 1764 bis etwa 1806 wurden erste Parzellen in Erbpacht vergeben und in der Hasenheide Gasthäuser errichtet, in denen geraucht werden durfte. Diese Tabagien waren für die Berliner um 1800 ein beliebtes Ausflugsziel und begründeten die Tradition der Hasenheide als Vergnügungszentrum.
Aber auch eine Geschichte als Landschaftsgarten hat der Park. Schon 1838 wurde er von Peter Josef Lenné umgestaltet, doch ist hierzu die Quellenlage so dünn, daß nicht mehr herauszubekommen war, wo Lennésche Elemente noch in der heutigen Hasenheide zu finden sind. Lenné jedenfalls erhielt den Auftrag vom Kriegsministerium (sic!), das sich vom Halleschen Ufer über die Hasenheide bis hin zu den Exierzierplätzen auf der Tempelhofer Feldmark eine »leichte Chausseeanlage« wünschte. Zwar wurde schon am 21. Juni 1925 der Volkspark Hasenheide eingeweiht, seine heutige Gestalt erhielt er aber erst in den Jahren 1936 bis 1939 durch den Stadtgartendirektor Joseph Pertl (1899 - 1989).
Ein kleiner Exkurs am Rande: Die Untersuchung gegen Jahn als »Demagogen« führte kein geringerer als E.T.A. Hoffmann, der als »Gespenster-Hoffmann« in die Literaturgeschichte einging, aber damals »hauptberuflich« einer der höchsten Justizbeamten Preußens war. Der schmächtige Hoffmann war natürlich kein Freund des Turnens, er hielt das für »Knabenunfug«. Aber trotzdem verlangte er — vergeblich — in einer hundertseitigen juristischen Arbeit die Freilassung Jahns, da er in der Turnerei keinen »Hochverrat« erkennen konnte. Diese Auseinandersetzung mit dem preußischen Polizeiminister von Kamps hat Hoffmann in seinem Meister Floh — dort heißt von Kamps »Knarrpanti« — literarisch verarbeitet.
Jahndenkmal und Nachbauten der Jahnschen Turngeräte in der Hasenheide, Aufnahmen vom 12. August 2001. Die Turngeräte sind heute nicht mehr vorhanden.
Nach dem Krieg wurde der Volkspark in den Jahren 1948 bis 1953 durch den Gartenamtsleiter Kurt Pöthig noch einmal umgestaltet. Die 69 Meter hohe Rixdorfer Höhe wurde aus 700.000 Kubikmeter Trümmern aufgeschüttet und wie das Naturtheater in der Hasenheide mit seinen 1100 Sitzplätzen 1954 eröffnet.
Die Hasenheide heute ist ein »problematischer Park«, der von einigen als das größte Hundeklo Deutschlands — es gibt im Park auch ein viel zu kleines, nach Regen völlig verschlammtes und ständig übernutztes Hundeauslaufgebiet — bezeichnet wird, die anderen kennen sie als den bekanntesten Umschlagplatz für Drogen. Außerdem sind die Wiesen durch die im Mai hier stattfindenden Neuköllner Maientage, durch Griller und Freizeitsportler völlig überansprucht. Der Aufstieg auf die Rixdorfer Höhe lohnt nur im Winter, da die Sichtachsen völlig zugewachsen sind. Und dennoch: Der Neuköllner hat keinen anderen großen Park, also wird die Hasenheide heute wie damals fleißig und ausgiebig genutzt.
Artikel vom 3. Juni 2004. Photos: Gabriele Kantel. Ein Klick auf die Bildchen öffnet Vergrößerungen in einem neuen Fenster. Weitere Berichte zur Hasenheide im Neuköllner MerkurLiteraturWolfgang Dreßen (Hg.): Selbstbeherrschte Körper. Turnvater Jahn - Olympia Berlin - Kinderspiele. Band 6 der Reihe Berliner Topographien, Berlin (Museumspädagogischer Dienst) 1986 Marina Goertz: Grüne Oasen in Berlin. Freizeit & Erholung in Parks und Gärten, Berlin (Nicolaische Verlagsbuchhandlung) 1999Dieter Huhn: Hasenheide, Das Bezirksjournal Berlin, Ausgabe Neukölln, September 1999, Seite 3. Stadtarchivdirektor Dr. Kaeber (Hg.): Von der Hasenheide bis zum Reichssportfeld. Geschichte des Sports in Berlin, Berlin (Verlag von E. Mittler und Sohn) 1936 Dorothea Kolland (Hg.): Rixdorfer Musen, Neinsager und Caprifischer. Musik- und Theatergeschichte aus Rixdorf und Neuköllln, Berlin (Edition Hentrich) 1990 Manfred Motel: Chronik von Rixdorf. Eine Festgabe aus dem Böhmischen Dorf zum hundertsten Jahrestag der Stadtwerdung von Rixdorf/Neukölln, Berlin (BA Neukölln) 1999 Marie-Louise Plessen (Hg.): Berlin durch die Blume oder Kraut und Rüben. Gartenkunst in Berlin-Brandenburg, Berlin (Nicolaische Verlagsbuchhandlung) 1985 Caroline Roeder: Neuköllner Disneyland für 1 Groschen, TAZ vom 6. August 1994, Seite 38Gerd Steins: Die Berliner Hasenheide. Ihre Turnplätze von 1811 bis 1934. Mit einem Vorwort von Manfred Nippe, Berlin (Berliner Turnerbund) 1978 Gerd Steins: Wo das Turnen erfunden wurde... Friedrich Ludwig Jahn und die 175jährige Geschichte der Hasenheide, Berlin (Berliner Forum 6/86) 1986 Lothar Uebel (unter Mitarbeit von Hans-Werner Klünner): Viel Vergnügen. Die Geschichte der Vergnügungsstätten rund um den Kreuzberg und die Hasenheide. Kreuzberger Hefte VIII, Berlin (Nishen) 1985 Bezirksamt Wedding von Berlin (Hg.): »...wo eine freye und gesunde Luft athmet...« Zur Entstehung und Bedeutung der Volksparke im Wedding, Berlin (Kulturbuch-Verlag) 1988 Werbung |
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