Rund um den Rollberg

Körnerpark

Der etwa 3,6 Hektar große Körnerpark wurde in den Jahren 1912 - 1916 (vermutlich vom Gartenarchitekten Hans Richard Küllenberg) angelegt. Das Gelände war ursprünglich eine stillgelegte Kiesgrube, in der der Besitzer Franz Körner Sonnenblumen züchtete. 1912 vermachte er den Garten der Stadt — unter der Auflage, daß der Park seinen Namen tragen werde.

Geschichte

Die durch die Kiesgrube bedingten Höhenunterschiede von 5 - 7 Metern luden förmlich zu einer monumentalen architektonischen Gestaltung ein. Der Park ist streng axial aufgebaut und wird durch hohe Arkadenwände mit mächtigen Balustraden umrahmt. In der Hauptachse liegt auf der Westseite — Versailles-ähnlich — eine Orangerie mit vorgelagerter Terrasse. Sie dient heute als Galerie und Café und wurde vom Stadtbaurat Reinhold Kiel erbaut. An der Ostseite gegenüber betont eine Kaskadenanlage mit 9 Springbrunnen den Geländeunterschied. Monumentale Treppenanlagen bilden die Zugänge von den angrenzenden Straßen.

Nach dem 2. Weltkrieg, den der Park fast unbeschädigt überstand, zeigte er — in der Hauptsache durch Vandalismus und Gedankenlosigkeit verursacht (er liegt in der Haupteinflugschneise des Flughafens Tempelhof) — erhebliche Verfallserscheinung, so daß der Bezirk über eine Auffüllung des Geländes nachdachte. Dieser Gedanke wurde aber wegen der Qualität der Anlage und des hervorragenden Baumbestandes fallengelassen und so begannen 1977 aufwendige Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten. Die Rekonstruktion der Baulichkeiten wurden vom Landeskonservator fachkundig begleitet, jedoch hatte die Denkmalpflege in den siebziger Jahren nur wenig Einfluß auf die originalgetreue Wiederherstellung der Parkanlage.

Mit Hilfe von Photographien aus der Zeitschrift »Die Gartenkunst« war die Rekonstruktion der Plastiken »Die vier Jahreszeiten« des Bildhauers Kube möglich. Sie wurden 1985 am Originalstandort aufgestellt.

Seit 1983 steht der Körnerpark unter Denkmalschutz und 1987 wurde ein Parkpflegewerk durch die Denkmalpflege in Auftrag gegeben, daß die Rekonstruktion der Parkanlage nach den Originalplänen Küllenbergs zum Ziel hat.

Im März 2002 wurde auch die Fontänenanlage an der Ostseite restauriert und der Öffentlichkeit übergeben. Diese Restaurierung soll im Herbst dieses Jahres abgeschlossen sein.

Nutzung

Der Körnerpark steht unter einem erheblichen Nutzungsdruck. Neukölln ist arm an öffentlichen Grünanlagen und so reichen die benachbarten Grünflächen Thomas- und Lessinghöhe nicht aus, um die erholungssuchenden Neuköllner an der exzessiven Nutzung des Körnerparks zu hindern. Und leider nimmt auch der Vandalismus wieder zu. Daher wird der Park im Sommer um 22:00 Uhr und im Winter um 20:00 Uhr geschlossen.

Seit einigen Jahren finden den Sommer über die bei den Neuköllnern sehr beliebten »Sommer im Park« genannten Konzertveranstaltungen statt, in denen außergewöhnliche und originelle Musikgruppen jenseits des Mainstream auftreten.

Und natürlich ist der Körnerpark auch immer Veranstaltungsort für die 48 Stunden Neukölln.

Das Reitergrab von Neukölln

Der Körnerpark erlangte aber auch archäologische Berühmtheit: Bei Bauarbeiten wurde 1912 an der Jonas- Ecke Selckestraße am Rande des Körnerparks das Reitergrab von Neukölln aus dem 5. oder 6. Jahrhundert gefunden. Pferd und Reiter waren in einer Gruft von etwa 2,50 m Tiefe begraben. Bei dem Reiter fand man ein Schwert, Reste eines Gürtels, zwei Bronzenägel und ein Tongefäß als Grabbeilage. Das Grab ist das einzige seiner Art in Brandenburg und eines der wenigen Grabfunde aus der Zeit der Völkerwanderung in Ostdeutschland überhaupt.

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koernerpark.txt · Zuletzt geändert: 2008/06/06 19:55 von kantel
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