Rund um den Rollberg

Freitag, den 31. Oktober 2008

Von der Rollbahn zur Rennbahn

Wie das Video zeigt, hat die Nachnutzung des Flughafens Tempelhof schon begonnen:

Aufgenommen heute nachmittag, nur einen Tag nach der offiziellen Schließung des Traditionsflughafens. (Aufnahme: Gabriele Kantel)

Zum letzten Mal: Bye, bye THF

Gestern um 23:55 Uhr starteten wie angekündigt gleichzeitig die beiden letzten Maschinen vom Flughafen Tempelhof. Einmal die unten abgebildete Ju 52 und zum anderen ein Rosinenbomber vom Typ Douglas DC 3. Damit ist die Geschichte des Traditionsflughafens beendet und die Geier Investoren stehen schon Schlange, die aus dem Tempelhofer Feld eine Investitionsruine machen wollen.

Junkers Ju 52

(Junkers Ju 52 auf dem Flughafen Templhof, Photo: Gabriele Kantel)

Ein Paradebeispiel öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus lieferte gestern der RBB. Ein völlig orientierungsloser Reporter stolperte über das Flugfeld und war immer dann, wenn er einen Interviewpartner vorzeigen sollte, ohne einen und spielte »Fangen« mit völlig überraschten Passanten, die er vor die Kamera zerren wollte. Dafür hatte er dann pünktlich um 23:55 Uhr endlich einen Mitarbeiter der Lufthansa aufgetrieben und wollte jetzt unbedingt sein Interview durchziehen. Da mußte ihn der — sonst auch ziemlich orientierungslose — Sprecher in der Regie abrupt unterbrechen, weil sie ja um diese Uhrzeit die beiden zeitgleich startenden, letzten Maschinen zeigen sollten und wollten. Doch wo waren sie denn, wo waren sie denn…? »Die Douglas DC 3 ist wohl als erstes aufgestiegen… Oops. … Ach nein, die Junkers ist ja auch schon in der Luft.« Ach ist der Rasen schön grün… Außer ein paar hastigen Schwenks keine Bilder.

Ähnlich seltsam die Kommentare beim Ausgehen der Lichter: »Ach, die gehen ja doch nicht zeitgleich aus… Und was das Licht da hinten bedeutet und warum es nicht ausgeht, weiß ich auch nicht.« Liebe RBB-Redakteure: Zeitgleich sollten die Maschinen starten und das Licht ging hintereinander aus. So etwas kann man vorher erfahren, man nennt das Recherche. Aber Recherche lernt man ja heute nicht mehr in der Journalistenschule.

Und in den Kamerapausen trinkt man keinen Sekt, sondern sucht sich vielleicht mal seine potentiellen Interviewpartner zusammen. Dann hat man welche vor der Kamera, die mit einem reden (wollen) und muß nicht hinter irgendwelchen Menschen vor laufender Kamera hinterherrennen, die eindeutig weglaufen, weil sie eben nicht reden wollen. (Und spätestens nach dieser Erfahrung würde ich mit dem RBB auch nicht mehr reden wollen.)

Für diesen Griff ins Klo verleihe ich dem RBB die entsprechende Schüssel (feinstes Porzellan, weiß, ca. 40 cm, Anfang des 21. Jhdts.). Er hat sie sich redlich verdient.

Der Griff ins Klo

Daß der junge Mann, den sie aufgeboten hatten It's Time to Say Goodbye zu trällern, nicht singen konnte, ist eine andere Geschichte, die vermutlich dem Veranstalter und nicht dem RBB anzulasten ist.

blog/freitag_den_31._oktober_2008.txt · Zuletzt geändert: 2011/07/07 16:52 (Externe Bearbeitung)
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