Rund um den RollbergDes Schockwellenreiters Neuköllner Chroniken |
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48 Stunden 2003Die EröffnungsfeierWie in den Jahren zuvor auch fand die Eröffnungsfeier im Körnerpark statt. Und wie in dem Jahr zuvor auch, kämpfte man mit den Unbillen des Wetters. Zuerst wurde Sinti-Swing von einer Musikgruppe aus der Werkstatt der Kulturen der Welt gespielt — leider war der Name der Gruppe nicht im Programmheft vermerkt. Danach die übliche Eröffnungsrede von Senator Dr. Thomas Flierl (erfreulich kurz!), dann spielte die Neuköllner Oper Ausschnitte aus ihrem neuen Musical Panic Sound Club (frech aus dem Frame heraus verlinkt) und dann zogen wir weiter in das E-Werk in der Richardstraße.
Und hier ist es nun: Unser erstes Video (
In dem alten Umspannwerk, das während der 48 Stunden zum Kunstwerk umbenannt wurde gab es Installationen und Ausstellungen von Künstlern und Kunstgruppierungen. Unter anderem mit dabei: Stadtblind — Die Farben Berlins, Dezentral Berlin und die 44 Cool Girls. Ein paar weitere Bilder gibt es auch bei dem Hund. Nachts im Kunstwerk
[48 Stunden Neukölln, 2. Lieferung] Achtung, ein Klick auf das erste Bildchen öffnet ein kleines Filmchen ( Around Midnight
[48 Stunden Neukölln, 3. Lieferung]
Gegen Mitternacht in der Traumfabrik: Die Künstlerin Maria Berberich fertigt Figuren aus Ziegelton. Sie schneidet sie direkt aus dem Block und spricht daher nicht von Statuen, sondern von Skulpturen. Auf den ersten Blick wirken sie harmlos, erst bei genauem Hinschauen offenbaren sie eine satirische bis bissige und provozierende Komponente. Die Terrakotten heißen Soziale Marktwirtschaft oder Deutschland sucht den Superstar. (
Mir haben diese Figuren sehr gefallen. Und wer dieses Wochenende keine Zeit hat, die Skulpturen sind auch vom 5. bis 27. Juli 2003 in der Galerie Einstein in Großziethen ausgestellt. Und hier noch ein paar weitere Photo-Impressionen von der nächtlichen Traumfabrik:
Als wir gegen Mitternacht dort ankamen, spielte im Erdgeschoß eine Band eine hinreißende Anarcho-Polka. Ich mag so etwas und war begeistert. Der Name der Band (und wenn vorhanden ein Link) wird nachgetragen. Der 2. Tag
[Update]
[48 Stunden Neukölln, 4. Lieferung] Ein verregneter Nachmittag, doch wir nutzten die Zeit zwischen den Schauern, um weiter die 48 Stunden Neukölln unsicher zu machen. Das Straßenfest auf der Karl-Marx-Straße unterschied sich im Wesentlichen nicht von den sonstigen Neuköllner Straßenfesten (Hermannstraßenfest, Singende, klingende Sonnenalle etc.). Ramsch- und Bierbuden und ein bis zwei Bühnen mit Darbietungen, die das Kulturamt für Neukölln-kompatibel hält. Aber immerhin trafen wir dort Borscht, der immer noch auf der Suche nach dem großen Unbekannten ist. Wunderschön dagegen war die Ausstellung Der Karlsgarten an der Hasenheide — Biergarten, Artistenwagen, Schule im Saalbau Neukölln, gemacht von Schülern der Karlsgarten-Grundschule. Sie zeigte die Geschichte der Hasenheide vom Jagdrevier des Großen Kurfürsten über die ersten Turnstunden der Weltgeschichte und den hier trainierenden Zirkusartisten bis zum heutigen Schulgelände. Diese Ausstellung gehört unbedingt ins Netz! Wäre doch was für den Informatikunterricht dort...
Der Pasewaldsche Hof — ein verträumter grüner Hofbereich zwischen Karl-Marx- und Richardstraße — bereitete sich mit Tüchern auf die abendliche Performace vor. In einem der Höfe liegen auch Ausbildungsräume des Arbeitskreises Medienpädagogik e.V., der sozial benachteiligten Jugendlichen eine Ausbildung als Mediengestalter, als Film- und Video-Editor oder als Veranstaltungstechniker ermöglicht. Eine kleine Ausstellung zeigte Arbeiten der Schüler und auf dem Hof fand gerade ein Hip-Hop-Workshop statt.
Eine witzige Idee war es, den Parkplatz eines Kaufhauses in der Richardstraße zum Kinderspielplatz umzumünzen — mit T-Shirt-Tauschaktion, Kindertheater und Bastelstunde... Das Kiezfest auf dem Richardplatz stand ganz im Zeichen der Neuköllner Mitbürger ausländischer Herkunft. Für meinen Geschmack war es etwas zu Volkstanz-lastig, aber es paßte zur Athmosphäre des naheliegenden Böhmischen Dorfes.
Um uns vor einem drohenden Schauer zu schützen, eilten wir zurück in die Passage, dem Spielort der Neuköllner Oper und des Passagenkinos, des Ortes, in dem die Götter speisen und Künstler einen Darkroom aufgemacht haben. Und erlebten unverhofft den Höhepunkt des Nachmittags: Den Start eines fliegenden Teppichs. Die Künstlerin Silja Ritter wollte mit dieser Performance dem Orientteppich seine ursprüngliche Erhabenheit zurückgeben. Ob ihr das gelungen ist, weiß ich nicht, ich weiß nur eins: Schön war's...
Dieser und einiges mehr ist natürlich auf unserem zweiten 48-Stunden-Video ( Am Abend unternahmen wir noch einen weiten Weg, um uns die Filmnacht im Carl-Weder-Park anzuschauen. Leider war die Veranstaltung (wegen des schlechten Wetters?) abgesagt. Das war ein wenig ärgerlich, der Carl-Weder-Park liegt etwas außerhalb und alternativ hätten wir uns nämlich sonst den Film Angelina im Atalante in der Richardstraße angeschaut... Der dritte (und letzte) Tag[48 Stunden Neukölln, letzte Lieferung] Heute spielte das Wetter wieder mit. In der Passage spannen drei Tänzerinnen zu den Klängen von Saxophon und Bongo ein Gespinst aus Fäden. Außerdem war Zebu von der irischen Malerin Noel O'Callaghan, die wir auf der Eröffnungsveranstaltung kennengelernt hatten, eingeladen worden, sich portraitieren zu lassen. Also ab in den Hundesalon, wo der Hund bald ein begehrtes Objekt der herumschwirrenden Photograph(inn)en wurde.
Der Hundesalon war ein voller Erolg. Die Neuköllner und ihre Hunde standen Schlange... Die Trockenzeit des Aquarells verbrachten wir im Neuköllner Heimatmuseum. Hier gibt es zur Zeit die Ausstellung Familiendinge, in der tatsächlich Gegenstände von 16 Neuköllner Familien gezeigt werden. So langweilig das klingt — und deswegen hatte ich die Ausstellung bisher gemieden —, so faszinierend ist es realisiert. Es sind lebendige Portraits geworden, von Familien, deren Vorfahren böhmische Einwanderer waren, einer Bauernfamilie aus Rudow, einer Fleischerfamilie aus Britz, eine Neuköllner Arbeiterfamilie und vieles mehr. Ich werde die Ausstellung noch einmal mit mehr Zeit besuchen... Im denkmalgeschützten Innenhof des Heimatmuseums gab es einen Bazaar, in der skurile und historische Objekte aus der Sammlung des Museums verkauft wurden. Ich hielt mich zurück.
Der Comenius-Garten widmete sich dieser Tage nur einem einzigen Thema: Dem Nichts. Kinder, Künstler und Wissenschaftler wagen sich an dieses Thema heran. Die Schau rund ums »Kinderwissen« ist Auftakt für eine »Werkstatt des Wissens«, die vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte unterstützt wird. Ich lauschte der Null und beobachtete die vielen Besucher. Die Ausstellung ist faszinierend und der Garten sowieso immer einen Besuch wert. Und es ist immer wieder schön, dem spiritus rector des Gartens, Henning Vierck (der seinem Vorbild Comenius immer ähnlicher wird), bei einer Führung durch sein Reich zu erleben.
In der Traumfabrik erfuhren wir, daß die Skulptur Deutschland sucht den Superstar der Künstlerin Maria Berberich, über die wir vorgestern berichtet hatten, bei einem Diebstahlversuch beschädigt wurde. Sie hat also nicht nur mich fasziniert.
Und hier ist er dann: Der letzte Film ( Gabi und ich hoffen, wir haben Euch mit dieser bunten Mischung über das Wochenende gut unterhalten. Ein paar weitere Bilder gibt es auch wieder beim Hund. Alle Photos: Gabi, ein Klick auf die Thumbs öffnet die Bilder in einem neuen Fenster. Reportage vom 20. bis 22. Juni 2003. Werbung |
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